Michael Korwisi © www.und-ob.info

Oberbürgermeister-Wahl: Meine Stimme für Michael Korwisi

Liebe Bad Homburger,

bei der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters von Bad Homburg, die am kommenden Sonntag (28.06.2015) stattfindet, werde ich Michael Korwisi meine Stimme geben.

Was mich ganz persönlich zu dieser Entscheidung bewogen hat, möchte ich Ihnen gerne erläutern:

Seit nunmehr sieben Jahren wohnen meine Frau und ich in Bad Homburg. Vom ersten Tag an haben wir uns in diese tolle Stadt verliebt und hier eine neue Heimat gefunden.  Um der Stadt und den Bürgern etwas zurück zu geben, habe ich vor fünf Jahren mit „Bad Homburg Info“ (u.a. auf Facebook und als Blog) ein multimediales Projekt gestartet, um aus und über Bad Homburg zu berichten.

Gespannt habe ich daher den Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters verfolgt:

  • Für „Bad Homburg Info“ habe ich beispielsweise mit allen drei Kandidaten Interviews geführt und die finanzielle Situation Bad Homburgs recherchiert.
  • Für meine persönliche Wahlentscheidung habe ich die Wahlunterlagen studiert, die Facebook-Auftritte der Kandidaten verfolgt und teilweise sogar mit Weggefährten der Kandidaten gesprochen, um mir ein besseres Bild machen zu können.

Kurzum: Ich denke, dass ich mir – so weit das möglich war – ein umfassendes Bild über die Kandidaten und ihre Pläne für Bad Homburgs Zukunft gemacht habe.

Mein erster Eindruck von Alexander Hetjes: Jung, sympathisch und bürgernah. Ein Kandidat zum Anfassen, der hoffentlich seine eigenen Themen, u.a. als junger Familienvater, zu seinen Wahlkampfthemen machen wird. Was mich im weiteren Verlauf des Wahlkampfs persönlich gestört hat, war der Ton, den die CDU und Alexander Hetjes angeschlagen haben: Nach meinem Empfinden stellenweise eine Anti-Korwisi-Kampagne, die mehr als einmal unter der Gürtellinie gelandet ist. Beginnend bei dem gebetsmühlenartigen Vorwurf der Vetternwirtschaft, über die angeblich miserable finanzielle Situation Bad Homburgs bis hin zu dem Anti-Korwisi-Song auf Youtube. Auch wenn letzterer nicht aus der Feder des Wahlkampf-Teams stammen sollte, so hat Alexander Hetjes ihn doch zumindest allzu bereitwillig geteilt und sogar mit einer bezahlten Facebook-Kampagne beworben. Was mir hingegen gefehlt hat, waren klare Sachthemen und eine eindeutige Positionierung, was unter einem Oberbürgermeister Alexander Hetjes spürbar besser werden sollte.

Oberbürgermeister Michael Korwisi hat in meinen Augen bis zum ersten Wahlgang auf Sachthemen gesetzt und sich erfreulicherweise mit persönlichen Angriffen auf die anderen Kandidaten zurückgehalten. Leider konnte er damit in der Bad Homburger Bevölkerung nicht ausreichend punkten und hat im ersten Wahlgang deutlich weniger Stimmen als Mitbewerber Hetjes erhalten. In der Folge hat sich in den letzten zwei Wochen auch der Wahlkampf von Herrn Korwisi verändert und an Schärfe gewonnen. Es fallen deutliche Worte, zumeist pro Korwisi, aber durchaus auch gegen den Mitbewerber Hetjes.

Letztlich war dieser Wahlkampf an vielen Stellen nicht nachahmenswert und polemisch. Viele Bad Homburger empfinden in diesem Punkt ebenso wie ich.

Was bleibt ist die Frage, wer der passende Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters ist?

Bad Homburg hat sich in meinen Augen in den letzten Jahren unter Herrn Korwisi sehr positiv entwickelt und ist noch ein Stück lebenswerter geworden. Es gibt keine Themen bei denen ich sagen würde: Hier läuft etwas gänzlich schief. Auch die größten Kritiker müssen anerkennen, dass Herr Korwisi als Oberbürgermeister einen sehr soliden Job gemacht und sich nicht nur in der Stadt, sondern durchaus auch auf Kreisebene, bewährt hat.

Mit Alexander Hetjes teile ich das Alter und kann ebenso auf einige Jahre Erfahrung als Solo-Selbstständiger zurückblicken. Aus eigener Erfahrung habe ich also eine recht gute Vorstellung davon, wie groß der Schritt von einem Solo-Selbstständigen in die Rolle einer Führungskraft für größere Teams sein kann. Der direkte Sprung in eine Führungsrolle mit einer Verantwortung für 1.500 Mitarbeiter und einem 200 Millionen Euro Haushalt dürfte ohne größere Führungserfahrung – so wie es wohl auf Herrn Hetjes als Versicherungsmakler zutrifft – sehr wahrscheinlich einfach eine Nummer zu groß sein. Das Amt des Oberbürgermeisters ist für Bad Homburg zu wichtig, um guten Gewissens einen unerfahrenen Kandidaten im „Training on the Job“ erste Führungs- und Verwaltungserfahrung sammeln zu lassen.

In Summe fehlen mir bei Alexander Hetjes die klaren Sachargumente, was er verändern möchte und davon tatsächlich auch realisieren könnte. Den Wahlkampf hat er für meinen Geschmack an vielen Stellen zu sehr auf der persönlichen Ebene geführt. Auch wenn ihm in einigen Jahren vielleicht die Zukunft gehört, ist Herr Hetjes nicht zuletzt durch seine mangelnde Erfahrung aktuell keine echte Alternative zu OB Michael Korwisi. Mit dem amtierenden und hoffentlich auch zukünftigen Oberbürgermeister hat Bad Homburg aus meiner Sicht eine feste und kalkulierbare Größe für die nächsten sechs Jahre.

Ich habe mich daher entscheiden, Michael Korwisi in der Stichwahl meine Stimme zu geben.

Losgelöst von Ihrer persönlichen Wahlentscheidung würde ich mich sehr freuen, wenn wir alle gemeinsam mit einer regen Wahlbeteiligung unser Interesse an der Zukunft Bad Homburgs bekunden würden.

Herzlichen Grüße
Daniel Langwasser

P.S. Mir war es bisher immer ein Anliegen, auf „Bad Homburg Info“ neutral und unpolitisch über die Geschehnisse zu informieren. Dies habe ich bis dato so gehalten und möchte dies auch in Zukunft beibehalten. Dieser Beitrag stellt rein meine persönliche Meinung dar.

Foto: Wahlkampfunterlagen Korwisi (Postkarte im Vordergrund) / Hetjes (Broschüre im Hintergrund) zur Oberbürgermeisterwahl 2015.

Finanzielle Situation in Bad Homburg: Unter dem Strich bleibt ein Guthaben

Der Wahlkampf zur Oberbürgermeister-Wahl in Bad Homburg (Wahltag: 14.06.2015) läuft auf vollen Touren. Gegenstand des Wahlkampfes ist immer wieder auch die finanzielle Situation der Kurstadt.

Wahlkampfunterlagen: Fokus auf Schulden und Guthaben

Die Mehrheit der Bad Homburger-Haushalte hat zwischenzeitlich auch Post von zumindest zwei der Bewerber zum Thema Finanzen bekommen: Die CDU rund um Alexander Hetjes weist auf den hohen Schuldenstand von über 80 Millionen Euro hin und fordert die „Rückkehr zu soliden städtischen Finanzen“. Der amtierende OB Michael Korwisi verweist wiederum auf ein solides Plus von über 30 Millionen Euro und betont, dass es „keine Schuldensituation in Bad Homburg“ gebe, „sondern mit größter Sorgfalt erwirtschaftete schwarze Zahlen“.

Foto: Wahlkampfunterlagen Korwisi (Postkarte im Vordergrund) / Hetjes (Broschüre im Hintergrund) zur Oberbürgermeisterwahl 2015.

Foto: Wahlkampfunterlagen Korwisi (Postkarte im Vordergrund) / Hetjes (Broschüre im Hintergrund) zur Oberbürgermeisterwahl 2015.

Ja was denn nun?

… wird sich der interessierte Bürger spätestens zu diesem Zeitpunkt fragen.

  • Fakt ist, dass die Stadt Bad Homburg Verbindlichkeiten in Höhe von rund 80 Millionen Euro (Stand: Mai 2015) hat.
  • Fakt ist aber auch, dass die Stadt Bad Homburg gleichzeitig über ein Guthaben von mehr 105 Millionen Euro (Stand: Mai 2015) verfügt.

Warum macht denn eine Stadt Schulden, wenn sie doch ein Guthaben auf dem Konto hat?

Zu dieser Frage haben wir einen ehemaligen Bad Homburger Stadtrat um seine Einschätzung gebeten, der etwas Licht ins Dunkel bringen konnte:
Aufgrund der gegenwärtigen Niedrigzinsphase ist es für eine Stadt – ebenso wie für die meisten Privatpersonen – aktuell sehr günstig Kredite aufzunehmen. Teilweise müssen für Kredite nur Zinsen in einer Größenordnung unter 1% pro Jahr gezahlt werden.
Auch wenn es aktuell nur sehr niedrige Zinsen auf Guthaben gibt, sind gerade längerfristig und vor allem vor längerer Zeit angelegte Gelder oft noch deutlich besser verzinst, beispielsweise mit 3% bis 5% pro Jahr.
Diesen Effekt hat sich auch die Stadt Bad Homburg zu nutze gemacht, in dem sie gut verzinste Geldanlagen behalten und sich für notwendige Ausgaben vergleichsweise günstig Geld geliehen hat, wie auch Bürgermeister Karl Heinz Krug im Juni 2014 gegenüber der Frankfurter Rundschau bestätigt hat.

Hinzu komme, so der Bürgermeister, dass in manchen Fällen ein Kredit die klügere Lösung gewesen sei. So hätte man 3,6 Millionen Euro für Straßenbeleuchtung auch aus eigenem Guthaben zahlen können. Diese Mittel sind jedoch mit drei bis fünf Prozent verzinst. „Bevor wir die aufgeben, nehmen wir lieber einen Kredit, der mit einem Prozent Zinsen versehen ist“, so Krug. Oder, wie im Fall des Technischen Rathauses, sogar mit nur 0,1 Prozent.

Was also auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, ist aus finanzieller Sicht absolut nachvollziehbar, da die Stadt Bad Homburg durch die zinsgünstig angelegten Gelder positive Zinseinkünfte in Höhe eines siebenstellige Euro-Betrags pro Jahr erzielt.

Unter dem Strich bleibt ein Guthaben

Dass der Schuldenstand von Bad Homburg mehr 80 Millionen Euro beträgt ist also richtig. Nur sollte in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, dass diesen Schulden ein deutlich höheres Guthaben in Höhe von mehr als 105 Millionen Euro gegenübersteht. Unter dem Strich bleibt also ein positives Guthaben von mehr als 35 Millionen Euro. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Bad Homburgs entspricht dies einem Guthaben von mehr 500,- Euro pro Einwohner.

Ohne die aktuelle Haushaltsplanung im Detail bewerten zu wollen, kann man zumindest festhalten, dass Bad Homburg zum aktuellen Zeitpunkt finanziell besser dasteht, als es mit einem oberflächlichen Blick auf die Verbindlichkeiten erscheinen mag.