Nach dem Gewinn ist vor der Steuer: Ein Blick auf die Steuerpflicht von Gewinnen

Die richtige Zahl beim Roulette getroffen und in der Spielbank Bad Homburg gewonnen? Glückwunsch! Nach dem ersten Glücksmoment stellt sich schnell der Realismus ein und es tauchen praktische Frage auf, z. B. nach der Versteuerung eines Gewinns.

Grundsätzlich ist erstmal Entspannung angesagt, unter bestimmten Voraussetzungen sind Gewinne in Spielbanken und Casinos in Deutschland steuerfrei:

  • Nach § 4 Nr. 9b UstG sind alle in Deutschland und der EU erzielten Glücksspiel-Gewinne steuerfrei.
  • Dies umfasst u.a. Gewinne in Casinos, Spielbanken und Spielhallen mit einer so genannten EU Lizenz.
  • Die Höhe der Gewinne spielt dabei grundsätzlich erstmal keine Rolle
  • Sofern die Gewinne Zinsen abwerfen, müssen diese natürlich regulär versteuert werden
  • Aber Achtung: Wenn ein Spieler als Berufsspieler eingestuft wird, kann Einkommenssteuer erhoben werden. Nachvollziehbar, wenn das Spielen zur Haupteinnahmequelle wird.

Sind somit grundsätzlich alle Gewinne steuerfrei oder gibt es auch Ausnahmen?

Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen, sonst wären wir nicht in Deutschland. Es müssen grundsätzlich alle Veranstaltungen, die der so genannten Rennwettsteuer oder der Lotteriesteuer unterliegen, beim zuständigen Finanzamt angemeldet werden. Steuerschuldner ist bei Lotterien, Ausspielungen und bei Sportwetten der Veranstalter zunächst. Klingt eigentlich gut, da der Gewinner mit der Steuerabgabe erstmal nichts zu tun hat.

Wer sich z.B. für Sportwetten interessiert, kommt mittlerweile am Thema Wettsteuer praktisch nicht mehr vorbei. Leider wälzen inzwischen viele Anbieter die Wettsteuer auf die Spieler ab, zum Glück gibt es auch rühmliche Ausnahmen: So ist es zum Beispiel bei tipico möglich zu spielen, ohne die Steuer fürchten zu müssen. Dieser Anbieter macht diesen besonderen Umstand zum zentralen Bestandteil seiner öffentlichen Kampagnen und zieht damit positive Aufmerksamkeit auf sich. Denn der Gesetzgeber lässt offen, wer die Steuer zu entrichten hat.

So haben sich im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Modelle entwickelt, in denen mal die Spieler und mal die Buchmacher bezahlen. Verwirrung ist damit praktisch vorprogrammiert. Vor der Anmeldung bei einem Sportwetten-Anbieter ist es in jedem Fall wichtig zu prüfen, wie der Anbieter das Thema Wettsteuer handhabt. Letztendlich beeinflusst dies auch die Qualität der Quoten stark. Oder anders ausgedrückt: Erst dann lässt sich wirklich sagen, wie viel des schönen Gewinns am Ende beim Spieler bleibt.

Von Land zu Land unterschiedlich

Nachdem es zunächst das Ziel der Verantwortlichen war, eine EU-weite Regelung zu treffen, verflüchtigte sich dieses Vorhaben schnell wieder. Nach wie vor gibt es in den einzelnen Ländern ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Die Tatsache, dass bislang noch keine einheitliche Regelung gefunden werden konnte, lässt sich mit Sicherheit auch auf die noch junge Historie der Steuer in Deutschland zurückführen. Die aktuelle Gesetzgebung stammt aus 2012 und resultiert aus dem Umstand, dass sich immer mehr Sportwetten in das Internet verlagern.

Doch wie immer gibt es auch einen positiven Blick auf das Thema: Da die Einnahmen durch die Wettsteuer den Bundesländern zufließen, profitieren auch die Menschen wieder von den erzielten Gewinnen. Gerade Sportwetten im Internet sind dadurch für einen beträchtlichen Teil der Einnahmen verantwortlich, die Jahr für Jahr in die Steuerkassen in Deutschland fließen.